Die Story

Jetzt also ein Blog wegen meinem Phoenix-Fahrrad. Endlich, nach all den Jahren, in denen ich meinen Freunden in den Ohren gelegen habe, mit der etwas verrückten Idee aus meiner Kutsche von einem Chinarad eine Rakete zu machen. Die Idee ist eigentlich einfach: Ich will mit meinem Phoenix-Fahrrad eine Weltreise machen. Leider lässt die Qualität des Rades dermaßen zu wünschen übrig, dass es dafür einen Grund-Neuaufbau meines Rades braucht. In unzähligen Gesprächen mit Fahrradmechanikern und Stunden über Stunden bei Recherchen im Internet habe ich mich so intensiv mit dem Fahrradfahren, mit Fahrradmechanik, mit Teilen, Blogs und Shops auseinandergesetzt, dass ich mich irgendwann gefragt habe, warum nicht einfach darüber schreiben?

Von Afghanistan nach Afrika mit meinem Phoenix-Fahrrad

Seit ich denken kann, liebe ich das Gefühl von Freiheit beim Fahrradfahren. Nachdem mein Hollandrad 1997 geklaut worden war, erstand ich vom Versicherungsgeld für 500 Mark ein chinesisches Fahrrad der Marke „Phoenix“ von meinem Fahrradhändler, der es von einem Messeaussteller hatte. Es handelte sich um ein ausgesprochen schönes, aber auch schweres dunkelgrünes Rad mit Doppelrohrrahmen, Gabelverstärkung, Hinterbau-Doppelständer und Gestängebremsen. Damals fuhren von dieser Art noch nicht so viele Räder auf den Straßen rum, wie man sie heute als Indienrad oder Chinarad häufig in Berlin und anderen Städten sieht. Die klassische und massive Bauweise, das gerade Design hatten es mir angetan. Die Freude über das besondere Fahrrad verflog allerdings schnell, als mir die nicht lackierten Teile Buchstäblich unter dem Allerwertesten wegrosteten. Darum habe ich das Fahrrad dann in wochenlanger Arbeit vollständig zerlegt, neu lackiert und mir von einem bekannten Schlosser einen neuen Lenker anfertigen lassen. Drei Jahre später wurde mir das Rad geklaut und ich dachte ich würde es nie wieder bekommen.

Als ich einige Jahre später 2005 für drei Monate Friedensarbeit nach Kabul ging, traute ich meinen Augen nicht: Jeder fuhr dort mit meinem Fahrrad. Wie sich herausstellte, exportiert die chinesische Firma “Phoenix” mit Sitz in Schanghai dieses Rad vor allem in Entwicklungsländer. Ich kaufte es mir dort unter großem Aufwand und noch voll zerlegt, aus dem  Camp Warehouse mit der Post nach Deutschland geschickt und den Rahmen im Flugzeug mitgenommen. Hier habe ich das Rad komplett neu aufgebaut, jede Kugel im Kugelllager, jede Speiche. Natürlich hat sich die Geschichte wiederholt, so dass ich nach und nach alle Teile an dem Rad außer dem Doppelrohrrahmen, den Gabelverstärkungen, dem Hinterbau-Doppelständer, dem Kettenblatt und den Pedalhebeln ausgetauscht habe. Das Fahrrad hat inzwischen verschiedene Stadien durchlaufen, ist etwas sportlicher geworden, befindet sich aber eigentlich in einer andauernden Testphase; auf der Suche nach Lösungen für die vielen Probleme die sich mir für den Umbau stellen. Und es ist noch ein langer Weg, bis ich sagen kann: Ich mache eine Weltreise mit meinem Phoenix.

Wohin soll es gehen?

Ein Australier hat mal zu mir gesagt, es gäbe drei Orte, die er als Traumziele seines Reisens hat: Tibet, Mongolei und Sansibar. Nachdem ich schon an all diesen Orten war, habe ich mir schon damals vor über 10 Jahren eigene drei Ziele ausgedacht: Transylvanien, Panama und Timbuktu. Letztes Jahr bin ich mit dem Rad durch Transylvanien gefahren, Panama ist zu weit, darum muss meine Reise mit meinem Phoenix-Fahrrad nach Timbuktu, der Oasenstadt in Mali gehen. Es geht also quer durch Europa, über Gebirge und durch Wüstengebiete, das muss mein Fahrrad aushalten können.

Ach ja: Alle Argumente wie „Kauf Dir lieber gleich ein anderes Fahrrad“, „zu teuer“, „vergiss es“, „unvernünftig“ und so weiter sind mir scheißegal. Dies ist ein Langzeitprojekt und ein kleiner Lebenstraum, egal wie lange es dauert und was es kostet…

 

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